Die Kreislaufwirtschaft: wenn der Handel auf Nachhaltigkeit trifft

 

Vergangene Woche wurden während des jährlichen Meeting des World Economic Forum in Davos “The Circulars” ausgezeichnet. “The Circulars” ist eine Initiative des World Economic Forum und des Forum of Young Global Leaders welche Individuen und Organisationen auszeichnen, die einen bedeutenden Beitrag dazu leisten die Kreislaufwirtschaft weiter voranzutreiben. Auszeichnungen erhielten unter anderem Nike, Patagonia, MBA Polymers, die schottische Regierung, SJF Ventures und Robicon Global. Alle Gewinner verbindet das vorgestellte Ziel traditionelle lineare Geschäftsmodelle abzuschaffen und die Kreislaufwirtschaft zu realisieren.

Die Wegwerfgesellschaft

Das derzeitige lineare System, dass noch aus Zeiten der Industriellen Revolution stammt, besteht hauptsächlich aus 3 Stadien:

Die meisten Produkte landen derzeit immer noch auf Müllhalden, weil es keine nachhaltige Endlösung gibt. Die World Bank beispielsweise prognostiziert, dass bis zum Jahr 2025 die globale Bevölkerung 2,2 Milliarden Tonnen an Müll produzieren wird. Problematisch wird diese Situation, wenn drastisch steigender Konsum auf finite Ressourcen trifft. So hatten wir zum Beispiel am 08.08.2016 alle nachhaltigen Ressourcen der Erde für das Jahr 2016 verbraucht. Danach wurden Ressourcen quasi auf Pump abgebaut.

Für Unternehmen bedeutet die derzeitige lineare Form der Produktion, dass sie zukünftig mit Störungen der Versorgungskette, steigenden Preisschwankungen und Supply-Chain Risiken konfrontiert sein werden. Angesichts von schwindenden Ressourcen realisieren jedoch bereits einige Firmen, dass beispielsweise Ziele wie Effizienzsteigerung auf lange Sicht nicht haltbar sind. Was jedoch notwendig ist, ist ein Umdenken wie man mit der Verschwendung von Materialien und Energie umgeht, stattfindet. Dabei spielen zirkuläre Geschäftsmodelle, sogenannte Circular Business Models, eine wichtige Rolle. Diese zielen darauf ab das Konzept Müll an sich abzuschaffen und dafür wertvolle Ressourcen in Zirkulation zu behalten, um diese zu schonen und wieder zu verwenden.

Die Kreislaufwirtschaft — wenn “Müll” zu Input wird

Die Idee der Kreislaufwirtschaft ist keine neue, jedoch hat sie erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Das ist vor allem der Arbeit von Dame Ellen MacArthur und der von ihr gegründeten Ellen MacArthur Foundation zu verdanken.

“Close to loop” — ist eine Kernaussage im Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft. Im Gegensatz zu dem linearen Modell schließen zirkuläre Unternehmen den Produktkreislauf. Das ist möglich, indem Produkte entweder biologisch abbaubar sind oder End-of-Life Produkte zurück an das Unternehmen gehen. So können Firmen wertvolle Ressourcen extrahieren und diese wieder verwenden.

Notwendig ist auch den Gesamtkonsum zu reduzieren und langlebige und qualitativ hochwertige Produkte zu produzieren. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft gehört dazu auch, Ware zu reparieren oder Second Hand zu kaufen und dies auch von seitens der Unternehmen zu unterstützen. Ein gutes Beispiel dafür ist die “Buy Less” Kampagne von Patagonia. Geplante Obsoleszenz, die absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten, ist ein Konzept, dass für Hersteller in Zukunft nicht mehr tragbar sein wird.

Geschäftsmodelle, die den Kreislauf schließen

Die Idee der Kreislaufwirtschaft hat bereits einige innovative Geschäftsmodelle hervorgebracht. Produkte zu mieten anstatt zu kaufen ist längst salonfähig geworden sowie der Aufruf von Unternehmen weniger zu kaufen und Produkte zu reparieren. In ihrem Buch “Waste to Wealth” schlagen Accenture Strategen Peter Lacy und Jakob Rutqvist 5 Geschäftsmodelle vor, welche die Kreislaufwirtschaft weiter vorantreiben:

  1. Circular Supply-Chain: es werden nur erneuerbare, recycelbare und biologisch abbaubare Materialien verwendet. Royal DSM beispielsweise entwickelt zellulosisches Bioethanol. Diese Chemikalie wird aus Ernterückständen gewonnen. Solch biobasierte Chemikalien ermöglichen Abfall und CO2 Emissionen zu reduzieren.
  2. Recovery and Recycling: All jene Produkte, die von anderen als Müll angesehen werden, werden genutzt und für andere Zwecke wiederverwendet. Harvest Power, ein amerikanisches Unternehmen, verwendet zum Beispiel Bioabfall für seine anaerobe Vergärungsanlage. Diese Anlage wandelt Biomüll in Biogas zur Energiegewinnung um.
  3. Product Life-Extension: Produkte, die noch immer Wert besitzen werden einem neuen Produktkreislauf zugeführt. Online Plattformen wie Mädchenflohmarkt oder The Next Closet ermöglichen, dass ungenutzte Kleidung wieder einen passenden Besitzer findet.
  4. Sharing Platform: Ungenutzte oder nur teilweise genutzte Ressourcen werden anderen Nutzern angeboten, um ihr Potential voll auszuschöpfen und unnötigen Konsum vorzubeugen. Bekannte Sharing Plattformen sind beispielsweise Airbnb oder BlaBla Car.
  5. Product as a Service: Händler und Hersteller behalten das Eigentumsrecht an der Ware. So wird die Langlebigkeit und Qualität der Ware gesichert und nach Ende der Nutzung geht die Ware zurück an das Unternehmen. So bietet beispielsweise seit 2012 das niederländische Modelabel MUD Jeans an Jeans zu mieten anstatt sie zu kaufen. Außerdem sind die Jeans so designed, dass sie recycelt werden können und aus dem Material ein neues Paar Jeans entstehen kann.

Die Liste von innovativen Geschäftsideen im Sinne der Kreislaufwirtschaft ist lang und verdeutlicht, dass zukünftige Potential von zirkulären Geschäftsmodellen. In diesem Zusammenhang sollten auch traditionelle Firmen erkennen, dass diese Unternehmen gegenwärtig und auch zukünftig von zahlreichen Vorteilen profitieren:

  • Stabilität der Lieferkette
  • Keine Abhängigkeit von finiten Ressourcen
  • Höhere Kundenzufriedenheit
  • Neue umweltbezogene Gesetze stellen kein Risiko dar
  • Differenzierung von der Konkurrenz
  • Steigerung der Rentabilität

Produkte, die nicht dem biologischen Kreislauf zugeführt werden können, sollten im Sinne der Kreislaufwirtschaft zurück an den Händler oder Hersteller gehen. Die Absatzlogistik hat über die Jahre viel Aufmerksamkeit bekommen hat und wurde kontinuierlich verbessert. Der Materialfluss jedoch vom Kunden zurück zum Unternehmen ist einerseits nicht gewünscht und wird andererseits lediglich als Kostenfaktor gesehen. Daher gab es bisher keinen Anreiz Prozesse zu implementieren um die Rückführung von Produkten effektiv zu gestalten.

Was das alles mit Reverse Logistics zu tun hat

Im Durchschnitt fallen pro zurückgesendetem Artikel 10 Euro an Kosten an. Lohnen sich Kosten und Aufwand oder ist es nicht effizienter die Retouren einfach wegzuschmeißen? Leider ist das die Realität. Für gewisse Produktkategorien sehen Händler keinen Sinn darin, die Retoure effektiv zu verwerten und entsorgen diese einfach. Bei der steigenden Zahl an Retouren ist das eine enorme Verschwendung von Ressourcen. Auch wenn Händler die Retourware an Restpostenhändler abgeben, wird die Ware über zahlreiche Mittelsmänner weiter verkauft, oft über mehrere Länder. Dadurch entstehen unnötige CO2 Emissionen und durch Transportschäden werden immer wieder Teile Ware weggeworfen.

Die Logistik im Allgemeinen ermöglicht, dass Unternehmen zirkuläre Prozesse implementieren können. So wichtig wie die vorwärtsgerichtete Lieferkette ist, so essentiell ist die rückwärtsgerichtete. Reverse Logistics verhilft Händler und Hersteller dazu das volle Potential jeder Retourware auszuschöpfen. Dazu gehört es die Produkte zu reparieren, recyceln oder auf dem Zweitmarkt zu verkaufen.

Das große Ganze

Ganzheitlich betrachtet ist die rückwärtsgerichtete Lieferkette ausschlaggebend um die Kreislaufwirtschaft zu realisieren. Dabei geht es nicht nur darum, wie man effektiv mit Retouren umgeht, sondern auch um die Rücknahme der End-of-Life Produkte von Endverbrauchern. Der Mangel an Reverse Logistics Prozessen ist dem traditionellen linearen System zuzuschreiben. Produkte sollten nicht mehr zurück kommen, daher gab es auch keinen Bedarf sich um Systeme oder Prozesse Gedanken zu machen. In Zukunft wird jedoch der Materialfluss vom Kunden zurück zum Unternehmen immer wichtiger werden.

Was jedoch alle erfolgreichen zirkulären Unternehmen gemeinsam haben ist, dass sie enge Partnerschaften mit anderen Unternehmen formen. Es ist selten möglich alleine im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu agieren. Man sollte das Wissen und Know-how anderer Firmen nutzen und sich gegenseitig ergänzen. Die Ellen MacArthur Foundation dazu:

Effective cross-chain and cross-sector collaboration are imperative for the large scale establishment of a circular system.
NachhaltigkeitKatja Kauf